Tattoos – Zeitbomben unter der Haut?

Lange hatten Tätowierungen – oder englisch „Tattoos“ etwas Anrüchiges an sich. Raue Seeleute, Sträflinge und „Wilde Stämme im Dschungel“ trugen Tattoos. Doch tatsächlich gibt kaum eine Kultur, die diese Art von Körperschmuck nicht benutzte. Charles Darwin hat damals schon geschrieben: „Es gibt keine Nation auf diesem Planeten, die dieses Phänomen nicht kennt.“

In Europa ist es der berühmte Mordfall in den Alpen, der das belegt: die Mumie des Mannes aus einem Gletscher, alias „Ötzi“. Er starb vor ca. 5400 Jahren auf einem Pass im Gebirge zwischen Österreich und Italien. Seine Tätowierungen scheinen eine Art therapeutische Karte gewesen zu sein. Sie liegen erstaunlicherweise an den Punkten, an denen man Gelenkprobleme oder Chakren behandelt.

Auch altägyptische Mumien weisen Tattoos auf und es gibt Skulpturen von tätowierten Menschen als Grabbeigaben. Die Statuetten zeigen aufgemalte Tätowierungen, die sehr wahrscheinlich den im Grab Beigesetzten zeigen und seine Tattoos. Dieser Körperschmuck ist offenbar rein dekorativ und erinnert ein wenig an indische Muster auf der Haut, die Mehandi, die meist mit Henna aufgemalt werden.

Henna-Muster auf der Haut sind eine sehr alte Tradition in Indien. Es ist eine richige Kunst, was man da für einige Tage aufgemalt bekommt. Körperschmuck ohne Reue – denn nach einigen Tagen ist das Kunstwerk wieder verschwunden und richtet im Körper keinen Schaden an. Bild: pixabay

Indigene Völker pflegen den Brauch rundum die Welt. Außer an gut erhaltenen, mumifizierten Körpern findet man aber wenig Beweise aus antiken Zeiten, denn die Tattoos leben und sterben mit ihren Trägern.

Der Zweck von Tattoos ist sehr unterschiedlich. In manchen Kulturen schmückte sich der Adel nicht nur mit kostbaren Waffen, Ausrüstung, Kleidung und Bauwerken, auch der Körper musste geschmückt und mit unauslöschlicher Symbolik gekennzeichnet werden. Im Gegensatz zum einfachen Volk mir seinen einfachen Formen, stachen hoch bezahlten Meister die Tattoos. Das bestimmte Symbole die Abstammung, Rang und Herkunft, zeigten und die man in eingeweihten Kreisen verstand.

Auf Tahiti sind die meisten Männer und viele Frauen tätowiert. Es ist für die Einwohner dort ein Teil ihrer Kultur. Das wird nach traditionellen Methoden weitergegeben. Es gibt bestimmte Muster, die anscheinend schon über 1000 Jahre alt sind. Der Seefahrer und Entdecker, der Brite James Cook brachte Berichte und Zeichnungen dieser sehr weit entwickelten Körperkunst mit. Aber auch auf den Körpern seiner Mannschaft konnte man die Tätowierungskünste der Polynesier bewundern. Daher kommt auch das Wort „Tätowierung“ oder „Tattoo“: Auf Tahiti heißt es „te tatau“. 

Vom Bankdirektor zur Hausfrau: Auf Tahiti gehört es zum guten Ton tätowiert zu sein.Bild: pixabay

Was heute jedermann auf Tahiti und viele Menschen im Rest der Welt schick finden und sich über dem Steißbein gerne eintätowieren lassen, so dass es im Volksmund auch gern wenig fein als „Arschgeweih“ bezeichnet wird, das wäre an seinem Ursprungsort fast verloren gegangen. Christliche Missionare verteufelten diese Zeichen der „Wilden“ auf den Inseln. Denn neben rein geometrischen Dekorationsformen gab und gibt es auch heute noch mythische Tattoos, zum B eispiel Tier-Schutzgeister für bestimmte Familien. 

Diese Art von Tattos sind sehr alt. Man erkennt deutlich Gesichter, Schildkröten und Tierköpfe. Schutzgeister oder Ahnenbilder, die natürlich den christlichen Missinaren ein Dorn im Auge waren. Bild: Wikimedia Commons, Tattoo worl info, Bildlizenz: CC BY-SA 3.0

Tattoos konnten aber auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe signalisieren. Manchmal als Ehre für Eingeweihte, aber auch schon seit dem Altertum als Stigma für Ausgegrenzte, wie Diebe, Gefangene, oder Ehebrecher. Oder als Besitzzeichen eines Herrn. (SS-Nummer unter dem Arm, KZ-Häftlinge, Sklavenhaltung oder ähnlich einem Brandmal für Tiere). Die Bedeutung einer Tätowierung oszilliert zwischen Auszeichnung und „Schandmal“, therapeutischer Anwendung und Körperdekoration.

Ötzi , der Mann aus dem Gletscher-Eis, trug anscheinend therapeutische Tattoos. Tatsächlich wurde schon festgestellt, dass unter Tätowierungen der Körper mehr Antikörper bildet, was Entzündungen, Arthritis oder Degeneration positiv beeinflussen kann. Tätowierungen bleiben nicht einfach folgenlos in der Oberhaut, sondern haben Auswirkungen bis tief ins Gewebe.

Die Mumie des steinzeitlichen Wanderers über die Alpen in Ötztal ist heute unter dem Namen „Ötzi“ weltbekannt. Er trug an therapeutisch signifikanten Stellen strichförmige Tätowierungen in unterschiedlichen Anordnungen, die wahrscheinlich als Instruktionen gedacht waren. Bild: Vikipedio, Jfreyre, gemeinfrei. Quelle: https://eo.wikipedia.org/wiki/Dosiero:Otzi.jpg

Heute sind Tattoos wieder gesellschaftsfähig. Es gibt Körperkunst für jeden Geschmack: Primitiv-dilettantische und künstlerisch wertvolle Tattoos. Doch während man früher auf wenige natürliche Farbstoffe wie Ruß und Ocker zurückgreifen musste, fordern die Kunden heute künstlerisch anspruchsvolle und entsprechend teure Tattoos und Farben, die intensiv und in vielen Schattierungen strahlen.

Das Problem: Diese modernen Tattoofarben sind zu einem großen Teil giftig. So schön die Bilder auf der Haut auch sind, welche Träume, Fantasien oder Schmuck sie auch darstellen, ihre Träger denken meist nicht darüber nach, welche ungesunden Chemikalien da unter ihre Haut gespritzt werden und welche Wirkungen diese im Körper entfalten. 

Eine Studie im Fachjournal „Contact Dermatitis“ zeigte: Neun von zehn Tattoo-Farben genügen nicht einmal den gesetzlichen Vorschriften. 

Im Zuge einer Untersuchung prüften Chemikerinnen und Chemiker der Universität Graz in Zusammenarbeit mit dem KTH Royal Institute of Technology in Stockholm und der University of Western Ontario 73 häufig verwendete Farben. In jeder zweiten Probe wurden falsche Pigmente nachgewiesen. Mit Chrom und Nickel waren alle belastet. Das macht den Körperkult nicht nur schön, sondern auch gefährlich, sagen Experten.“ 

73 Farben wurden geprüft, alle waren mit Chrom und Nickel belastet. Sogar Quecksilber, Arsen, Mangan, Kobalt und Blei wurden in einigen gefunden. In grünen und blauen Farben war Kupfer enthalten, bisweilen über dem Grenzwert. Übrigens wurden viele Pigmente gar nicht für das Einbringen unter die menschliche Haut konzipiert und geprüft, sondern für Autolacke oder Druckerpatronen entwickelt. Dazu kommt, dass manche Farben verbotene Konservierungsstoffe oder Nanopartikel enthalten, deren Auswirkungen erforscht sind. Manche Farben zerfallen auch in der Haut und was ihre Spaltprodukte anrichten können, weiß auch niemand.

Gefährlich schön: Sind Tätowierungen früher mit Ruß und wenigen Pflanzenfarbstoffen gemacht worden, benutzt man heute Farben mit hoher Deck- und Leuchtkraft. Das ermöglicht hochstehende Körperkunst, doch die gesundheitlichen Auswirkungen sind nicht zu vernachlässigen. Nicht wenige Farben sind direkt giftig, allergen oder sogar krebserregend. Bild: pixabay

Viele Inhaltsstoffe sind bekanntermaßen theoretisch krebserregend oder lösen Allergien aus. Nur wenige Studien beschäftigen sich mit langfristigen Gesundheitsfolgen. Was mit den Tattoofarben passiert, sobald sie in die mittlere Hautschicht kommen und dort verstoffwechselt werden, ist kaum untersucht. Die Tätowiernadel spritzt die Farbe bis zu drei Millimeter tief in die Haut. Ein Teil der Farbe wandert über das Lymphsystem in die Lymphknoten, wo sie die Lymphknoten, wichtige Zentren der Immunabwehr einfärben – und möglicherweise vergiften. Wohin sonst noch die Farbstoffe im Körper gelangen und ob sie dort ein Gesundheitsrisiko darstellen, ist ebenso unerforscht. 

Norbert Heuser hat sich eingehend dem Problem der neuen Tätowierfarben beschäftigt. Er klärt auf, informiert und gibt auch Ratschläge. Ein brisantes Interview.

Wer mehr wissen will, kann Norbert Heuser selbst kontaktieren: 

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