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Zufall: Letztes Pockenopfer starb trotz Impfung an einem 11. September

/ Impfen

Janet Parker fühlte sich sicher. Warum sollte ihr auch etwas bei der Arbeit in der Anatomie an der Medizinischen Fakultät der Universität in Birmingham geschehen? Schließlich hatte die Spezialistin für Mikrofotografie keinen Zugang zum nahe gelegenen Pockenvirenlabor, das in rund 15 Meter Entfernung zu ihrem Arbeitsplatz lag. Außerdem war sie geimpft. Und so schöpfte die 40-jährige Frau auch wohl keinerlei Verdacht, als sie an einem Freitag grippeähnliche Symptome entwickelte.

Es war der 11. August und vier Wochen später war die Britin tot. Erst hatte der Hausarzt noch Antibiotika gegen die Flecken verschrieben, die sich nach ein paar Tagen auf dem Körper der Patientin ausgebreitet hatten. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Am 24. August wurde sie in das East Birmingham Hospital eingewiesen und landete auf der Isolierstation. Schnell entnahmen die Ärzte Proben aus den Blasen und ließen sie im Pockenvirenlabor untersuchen. Der Laborleiter Professor Henry Bedson hatte noch im Mai des selben Jahres von der WHO die Anweisung erhalten, die Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen. Den Inspektoren waren zwar verschiedene Mängel aufgefallen, einen Grund die Arbeit mit den Pockenviren einzustellen, sah man aber offenbar nicht.

Für die Patientin kam indes jede Hilfe zu spät. Man verlegte sie umgehend in ein anderes Krankenhaus, begann mit der Desinfektion des Krankenzimmers und ließ sämtliche Kontaktpersonen gegen Pocken impfen. Die Arbeit im Pockenvirenlabor wurde eingestellt. Am 11. September starb Janet Parker. Die Impfung, die sie zwölf Jahre zuvor erhalten hatte, verfehlte ihre Wirkung. Von den Kontaktpersonen erkrankte niemand an den Pocken.

Später stellte sich heraus, dass ein Luftkanal aus dem Labor direkt zur Dunkelkammer der Fotografin führte und man vermutete, dass sie sich darüber angesteckt haben könnte. Professor Bedson sah sich in der Verantwortung und schnitt sich in seiner Verzweifelung die Kehle durch.

Seit 1980 gelten die Pocken als "ausgerottet". Nur in zwei Laboren werden noch Viren aufbewahrt. Die WHO betrachtet ihren Kampf gegen die tödliche Krankheit als Erfolgsgeschichte, obwohl es durch die Lebendimpfung immer wieder zu schweren Nebenwirkungen und Todesfällen kam. Auch Behinderungen wurden in vielen Fällen als Folge der Impfung anerkannt und den Geschädigten eine Opferrente zugesprochen. Wie die Geschichte der unglücklichen Fotografin zeigt, muss eine Impfung nicht immer so dramatische Nebenwirkungen haben, genutzt hat sie ihr nicht.

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